![]() |
|||||
| Profil | |||||
|
|
Profil Die Deutsche Gesellschaft für das Studium Britischer Kulturen will
- laut ihrer eigenen Satzung - die "wissenschaftliche Beschäftigung
mit den Kulturen Großbritanniens und anderer englischsprachiger
Kulturen" fördern. Vor allem geht es ihr darum, die Inhalte
und Perspektiven der deutschen Anglistik und des Schulfaches Englisch
um eine kulturwissenschaftliche Dimension zu erweitern bzw. diese Dimension
konzeptionell zu vertiefen, thematisch zu differenzieren und institutionell
zu stärken. Die Liste der Gründungsmitglieder bestätigt,
dass die Gesellschaft aus der Anglistik heraus entstanden ist; aber es
muss sogleich hinzugefügt werden, dass diese Gründung auch den
Versuch darstellt, ein neues unter- bzw. transdisziplinäres Forum
außerhalb des reinen Fachverbandes zu schaffen. Eine anglistische
British-Studies-Sektion ist auf Dialogpartner und Bundesgenossen aus den
Sozial- und Medienwissenschaften, auf Historiker, Urbanisten, Sozialpsychologen
etc. geradezu angewiesen, denn die größte immanente Gefahr
der neuen Entwicklung liegt zweifellos im Dilettantismus. Eine "einheitliche
Feldtheorie" der Kultur, etwa nach dem Muster des Birmingham Centre,
kann leicht darüber hinwegtäuschen, dass die Einbeziehung z.
B. von visuellen Texten und signifying practices in die anglistische Lehre
handwerkliche und fachtheoretische Vorkenntnisse erfordert, die unter
Anglisten nicht selbstverständlich sind. Aus diesen Vorbemerkungen ergibt sich bereits, dass die Gesellschaft
im theoretisch-konzeptionellen Bereich eine "broad church" (Kastendiek/
Berg) sein muss. In dieser Hinsicht kann sie von der Gesellschaft für
Amerikastudien lernen, in der neben den kontextuell orientierten "Philologen"
auch Literatur- bzw. Kultursoziologen, Kunst- und Medienwissenschaftler,
Postkolonialismus-Experten und Feministinnen zusammenleben. Auch unsere
Gesellschaft sollte sich hüten, einen Kulturbegriff, einen analytischen
Gegenstandsbereich oder eine (z. B. semiotische) Methode zur verbindlichen
Orientierungsgröße zu machen. Wir sollten vielmehr froh sein,
wenn wir auch von der fremden Systematik der Soziologen oder den "landeskundlichen"
Historikern profitieren können. Ansonsten droht die Gefahr einer
gewissen Inzucht - z. B. mit der Folge, dass es die Gesellschaft mehr
und mehr bei der literaturwissenschaftlich orientierten Untersuchung diskursiver
Repräsentationen belässt und die (sozialwissenschaftliche) Frage
nach dem warum' gesellschaftlicher Entwicklung (Kastendiek/ Berg)
gar nicht erst stellt. |
||||